Märkte & Meinungen

Marktkommentar – Ein Blick auf die Börsenwoche

Der März geht als rabenschwarzer Monat in die Geschichtsbücher ein. Fast alle Anlageklassen verzeichneten deutliche Einbussen und auch die Diversifikation brachte für einmal wenig. Nach dem undifferenzierten «Sell-off» sollte nun etwas Ruhe einkehren.

Chart der Woche

Zinsparadoxon

Die Zinsdifferenz zwischen Deutschen und Schweizer Staatsanleihen ist verschwunden.

Zinsparadoxon

Quellen: Bloomberg, Raiffeisen Schweiz CIO Office

Zum ersten Mal rentieren die zehnjährigen Deutschen Bundesanleihen tiefer als die zehnjährigen Eidgenossen. Dies ist vor allem auch vor dem Hintergrund der wieder sehr prominenten Diskussionen um die Einführung von Eurobonds mehr als erstaunlich. Sicherlich tragen jedoch die massiven Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zu diesem Paradoxon bei.

Aufgefallen

Dividendenkürzungen

Die Unsicherheiten um das Coronavirus führen ver-mehrt zu Dividendenkürzungen. In der Schweiz haben unter anderem Calida, Feintool und Valora die diesjährige Ausschüttung komplett gestrichen. Weitere Firmen dürften folgen.   

 

Auf der Agenda

Arbeitslosenstatistik Schweiz

Am 8. April werden in der Schweiz die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Es wird mit einem Anstieg von 2.3 % auf 2.6 % gerechnet. Nur dank der Unterstützung von Kurzarbeit durch den Bund fallen die Zahlen nicht noch deutlich höher aus.

Dunkelrote Performancezahlen

Der März und damit auch das erste Quartal 2020 sind bereits vorüber. Für Anleger sieht die bisherige Jahresbilanz dabei alles andere als erfreulich aus. Im Monatsverlauf kam es zu einem regelrechten Ausverkauf und viele Investoren sind in die Liquidität geflüchtet. Von dieser Verkaufswelle wurden im März fast sämtliche Anlageklassen erfasst. Am stärksten betroffen waren dabei Schwellenländeraktien welche im März über 15 % an Wert einbüssten. Aber auch an den europäischen (-14.9 %) und den US-amerikanischen Börsen (-12.6 %) ging es deutlich nach unten. Relativ gesehen hielt sich der Schweizer Aktienmarkt mit einem Minus von 4.9 % recht gut. Dabei hat natürlich einmal mehr die defensive Indexzusammensetzung geholfen: Nestlé, Novartis und Roche machen rund die Hälfte des Index aus und die Aktien konnten sich dem Verkaufsdruck weitestgehend entziehen. Normalerweise sollte bei einem solch starken Einbruch bei den Aktien andere Anlageklassen die Verluste abfedern oder wettmachen. Im März war dies allerdings nicht der Fall. Auch der Swiss Bond Index, welcher alle Investment Grade Anleihen zusammenfasst, verlor 5 %. Bei Hochzinsanleihen summierten sich die Monatsverluste gar auf über 10 %. Selbst die Schweizer Immobilienfonds büssten im März etwas mehr als 6 % an Wert ein. Einzig das als Krisenschutz bewährte Gold konnte sich dem Trend entziehen und um knapp 2 % zulegen. Für einmal hat sich die Diversifikation also nur bedingt ausbezahlt. Solche Situationen kommen bei starken Markteinbrüchen kurzfristig immer wieder vor und haben viel mit technischen Faktoren zu tun. Sogenannte Margin Calls führen dazu, dass Spekulanten gezwungen werden sofort Liquidität bereitzustellen. Verkauft wird dann alles, was noch eine positive Rendite aufweist. Auch gemischte Anlagefonds werden aufgrund von Anteilsrücknahmen gezwungen, Vermögensteile zu veräussern. Sobald diese starken Verkaufswellen aber wieder abebben, beginnt der Markt rasch wieder zu differenzieren. Die Korrelationen zwischen den Anlageklassen kehren zur Normalität zurück und eine breite Diversifikation zahlt sich wieder aus.

 

Wie weiter mit den «Shutdowns»?

Die Fallzahlen bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus nehmen weltweit weiter zu. Gleichzeitig werden auch die konjunkturellen Auswirkungen der «Shutdowns» immer dramatischer. Im zweiten Quartal wird die globale Wirtschaft wohl einen noch nie dagewesenen Wachstumseinbruch verzeichnen müssen. Zudem beginnt die Bevölkerung zunehmend ungeduldig zu werden. Für die Regierungen gilt es nun abzuwägen, ab welchem Zeitpunkt eine schrittweise Normalisierung und Lockerung der Massnahmen angezeigt ist. Bald müssen deshalb «Exit»-Strategien aufgezeigt werden. Dabei hilft sicherlich, dass immer mehr Daten und Fakten zu Covid-19 vorliegen. Diese Woche erschien beispielsweise in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift «The Lancet» eine Studie, welche die effektive Sterberate bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus auf knapp 0.7 % bezifferte. Dies wäre deutlich tiefer als bisher vermutet, bedeutet aber noch immer, dass das Virus rund siebenmal tödlicher als ein durchschnittlicher Grippevirus wäre. Exakt werden wir das alles leider erst im Nachgang der Pandemie wissen. Dies macht es für den Bundesrat aber auch für die Virologen und Ökonomen weiterhin sehr schwierig, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Für uns hilft dabei das Denken in Szenarien. In unserem Hauptszenario rechnen wir weiterhin mit einem deutlichen Konjunktureinbruch in der ersten Jahreshälfte, gefolgt von einer Stabilisierung und Erholung im zweiten Halbjahr. An den Finanzmärkten ist momentan bereits viel Negatives eingepreist. Wir empfehlen deshalb an der bestehenden Vermögensallokation und definierten Anlagestrategie festzuhalten.

 

 

 

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